
Rock of Ages zählt zu den ältesten und symbolisch aufgeladensten Motive der traditionellen Tätowierkunst. Die Geschichte hinter diesem Klassiker begann im Jahr 1763.
Ein Pfarrer aus einem kleinen Dorf in England namens Augustus Toplady wanderte von Dorf zu Dorf, als er unerwartet von einem schweren Sturm überrascht wurde. Er fand Zuflucht hinter einem großen Felsen in einer nahegelegenen Schlucht. Während er um sein Leben betete, kam ihm ein Liedtext in den Sinn. Er schrieb diesen auf einer Spielkarte nieder und legte damit den Grundstein für das Motiv, das später als Rock of Ages bekannt werden sollte.
Das Lied wurde 1830 als Gospel-Version weltweit verbreitet und später auch von Musikern wie Bob Dylan und Johnny Cash interpretiert. Damit war der kulturelle Ursprung des Motivs weit über kirchliche Kontexte hinaus etabliert.
Vom Lied zum Gemälde
Rund 100 Jahre nach Topladys ursprünglichem Text entstand aus dem Lied ein Gemälde, das viele Tätowierer nachhaltig prägen sollte. Das Motiv zeigt eine Frau, die sich an ein steinernes Kreuz klammert, umgeben von einem tobenden Meer.
Gemalt wurde das Bild von dem deutschen Künstler Simon Oertel. Die Szene lässt bewusst Raum für unterschiedliche Interpretationen und entwickelte sich über die Jahre zu einer der bekanntesten Bildvorlagen innerhalb der traditionellen Tattoo-Geschichte.

Die Bedeutung des Rock of Ages Motivs
Eine verbreitete Interpretation sieht in der dargestellten Frau eine verlorene Seele im Meer der Sünden, ohne Hoffnung, die sich einzig an das Kreuz – den Körper Christi – klammert.
Andere Deutungen gehen davon aus, dass es sich um eine Frau handelt, die um ihren ertrunkenen Ehemann trauert. Sie weigert sich, dessen Tod zu akzeptieren, und klammert sich trotz des Unwetters an sein Grab. In vielen Darstellungen wird diese Lesart durch ein sinkendes Schiff im Hintergrund ergänzt.
Da die ursprüngliche Bedeutung des Gemäldes von Oertel nicht eindeutig überliefert ist, bleibt das Motiv offen für individuelle Auslegungen. Am ehesten steht Rock of Ages für Hoffnung, Standhaftigkeit und den Glauben daran, auch schwere Zeiten überstehen zu können.
Rock of Ages als Backpiece
In der Geschichte der traditionellen Tätowierung wurde Rock of Ages unzählige Male umgesetzt. Es wird angenommen, dass Samuel O’Reilly einer der ersten Tätowierer war, der dieses Motiv tätowierte.
Seefahrer erhofften sich früher angeblich mildere Strafen, insbesondere Schutz vor Auspeitschungen, wenn sie Rock of Ages als Backpiece trugen. Niemand wollte es wagen, das Abbild Christi zu bestrafen – so zumindest der damalige Glaube. Möglicherweise ist dies einer der Gründe, warum sich Rock of Ages bis heute als klassisches Rückenmotiv etabliert hat.
Je nach Interpretation und Stil unterscheidet sich die Darstellung deutlich. Manche Tätowierer orientieren sich eng am Originalgemälde von Oertel, was zu sehr reduzierten Kompositionen führt. Andere ergänzen das Motiv um sinkende Schiffe, Engel oder Meerjungfrauen. Der gestalterische Spielraum ist groß, solange die zentrale Symbolik erhalten bleibt.
Als Inspiration gelten Arbeiten von Tattoo-Legenden wie Percy Waters, Bert Grimm, Sailor Jerry oder den Bowery Boys, die das Motiv über Jahrzehnte hinweg immer wieder neu interpretiert haben.
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