Percy Waters – Ein bescheidenes Genie

Percy Waters beim Tätowieren eines großformatigen Backpieces in seinem Studio

Percy Waters bezeichnete sich selbst als „just a good tattooer“ – nur ein guter Tätowierer. Eine Einschätzung, die seinem tatsächlichen Einfluss auf die Geschichte des Tätowierens kaum gerecht wird. Bereits zu einer Zeit, in der Tätowierungen meist klein und dekorativ waren, arbeitete Waters an großflächigen Motiven und ganzheitlichen Körperkonzepten. Darüber hinaus prägte er die technische Entwicklung der Tätowiermaschine und baute eines der einflussreichsten Tattoo-Zubehör-Unternehmen seiner Epoche auf.

Geboren wurde Percy Waters 1888 in Anniston, Alabama. Wandernde Zirkusse und Sideshows mit tätowierten Attraktionen brachten ihn früh mit der Welt des Tätowierens in Berührung. Fasziniert von den Motiven begann er selbst zu tätowieren – zunächst Freunde und Bekannte aus seinem Umfeld. Durch kurze Aufenthalte in New York vertiefte er seine Kenntnisse, unter anderem im Austausch mit Charles Wagner.

Ein neuer Anfang in Detroit

1917 verließ Waters Alabama unter abrupten Umständen. Nach einem Zwischenaufenthalt in New York eröffnete er sein erstes eigenes Studio in Detroit, wo er bis 1939 arbeitete. In dieser Zeit machte er sich landesweit einen Namen. Unter dem Namen „Prof. Percy Waters“ tätowierte er Zirkusattraktionen, Seeleute und bekannte Persönlichkeiten. Seine Arbeiten zeichneten sich durch klare Linien, starke Kontraste und eine sichere Komposition aus – Merkmale, die später als Grundlage des klassischen American Traditional gelten sollten.

1929 meldete Waters ein überarbeitetes Spulenmaschinen-Design zum Patent an. Es handelte sich um die erste einstellbare Doppel-Spulen-Tätowiermaschine. Dieses Prinzip bildet bis heute die Grundlage moderner Maschinen – fast ein Jahrhundert später hat sich an der grundlegenden Konstruktion kaum etwas verändert.

Tätowiermaschine aus dem Sortiment vom Tattoo Supply
Tätowierter Mann mit Arbeit von Percy Waters, frühes amerikanisches Oldschool-Tattoo


Tattoo-Zubehör und weltweiter Einfluss

Parallel zu seiner Tätigkeit als Tätowierer baute Waters ein umfangreiches Tattoo-Zubehör-Geschäft auf. Über Versandkataloge bot er Farben, Maschinen, Nadeln und komplette Starter-Sets an – von einfachen Einsteigerpaketen bis hin zu umfangreichen Ausstattungen, die nahezu ein halbes Tattoo-Studio abdeckten. Zu einer Zeit, in der Informationen und Materialien schwer zugänglich waren, ermöglichte Waters damit Tausenden Tätowierern weltweit den Einstieg in das Handwerk.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1952 führte er dieses Unternehmen weiter. In seiner Zeit galt es als das größte Tattoo-Supply-Business der USA und prägte Generationen von Tätowierern.

Designs, die bis heute bestehen

Percy Waters’ Flash-Sheets und Motive sind bis heute fester Bestandteil der Tattoo-Kultur. Segelschiffe, Adler, Flaggen, Panther, Drachen, exotische Porträts und maritime Glücksbringer gehören zu seinem umfangreichen Repertoire. Charakteristisch sind klare, kräftige Linien und eine reduzierte, funktionale Gestaltung, die sowohl technisch als auch visuell Bestand hat.

Viele dieser Motive werden bis heute tätowiert – oft in direkter Anlehnung an Waters’ Originale. Sein Einfluss reicht weit über seine Lebenszeit hinaus und ist in Studios auf der ganzen Welt spürbar.

Original Blueprint von Percy Waters aus der frühen Phase der amerikanischen Tattoo-Geschichte