
Das Motiv Pharaoh’s Horses zählt zu den klassischen Bildthemen der Tätowierkunst des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts. Es gehört zu jenen Motiven, die ihren Ursprung nicht in der Tattoo-Szene selbst haben, sondern aus der Malerei und religiösen Bildsprache in die Haut übertragen wurden.
Das Original
Das Originalgemälde stammt von John Frederick Herring Sr. und zeigt die Studien von drei Pferdeköpfen. Was viele nicht wissen: Es handelt sich dabei um ein und dasselbe Pferd, dargestellt aus unterschiedlichen Perspektiven.
Der arabische Hengst mit dem Namen Imaum befand sich im Besitz von Queen Victoria und diente Herring als Vorlage für mehrere Werke – darunter auch Pharaoh’s Horses.
Bereits im 19. Jahrhundert war dieses Motiv weit verbreitet und hing in zahlreichen Haushalten in Europa und den USA. Die kraftvolle Darstellung, kombiniert mit religiöser Symbolik, machte das Bild besonders populär.


Von der Malerei zur Tätowierung
Motive wie Pharaoh’s Horses fanden ihren Weg in die Tätowierkunst vor allem über religiöse und klassische Bildwelten. Ob Kunden das Motiv direkt zum Tätowierer brachten oder ob Tätowierer selbst vom Original inspiriert wurden, lässt sich heute nicht eindeutig nachvollziehen.
Eine der frühesten bekannten und häufig zitierten Umsetzungen dieses Motivs in der Tattoo-Geschichte wird Gus Wagner (1872–1941) zugeschrieben. In dieser Version wurde das Motiv spiegelverkehrt auf den Rücken eines Mannes tätowiert, eingerahmt von floralen Elementen und ergänzt durch einen Adler im oberen Bereich.
Aufgrund seiner Größe, Detailtiefe und Symbolik wurde Pharaoh’s Horses bevorzugt als Backpiece oder Frontpiece umgesetzt. Ab den 1920er-Jahren tauchte das Motiv regelmäßig in Tattoo-Bedarfskatalogen auf und etablierte sich als fester Bestandteil klassischer Tattoo-Vorlagen.


Bedeutung und Einordnung
Der inhaltliche Bezug des Motivs wird häufig mit der biblischen Passage Exodus 15:19 in Verbindung gebracht. Die Darstellung der Pferde steht sinnbildlich für Macht, Bewegung und göttliche Ordnung – Interpretationen, die je nach Epoche und Tätowierer unterschiedlich gewichtet wurden.
Wie bei vielen klassischen Motiven existiert keine eindeutige, festgeschriebene Bedeutung. Genau diese Offenheit machte Pharaoh’s Horses über Jahrzehnte hinweg attraktiv für Tätowierer und Träger gleichermaßen.
Ein Klassiker der Oldschool-Tattoo-Kultur
Neben Motiven wie Rock of Ages zählt Pharaoh’s Horses zu den Arbeiten, die den Übergang von religiöser Kunst zur frühen Tätowierkultur sichtbar machen. Tätowierer wie Percy Waters trugen maßgeblich zur Verbreitung bei, indem sie das Motiv in Lehrmaterialien und Katalogen aufnahmen.
Bis heute gilt Pharaoh’s Horses als Beispiel für die enge Verbindung zwischen klassischer Malerei, Symbolik und traditioneller Tattoo-Gestaltung.
Wenn du dich für weitere Motive aus der Geschichte der Oldschool-Tätowierung interessierst, findest du in unserem Blog weitere Beiträge zur Tattoo-Kultur und ihren Ursprüngen.
